Deine Analytics Daten führen dich in die Irre

Sorry erstmal für den etwas reißerischen Titel dieses Beitrags. In Wirklichkeit ist der vermeintliche Trick nämlich gar nicht so geheim (wenn du dich schon mal mit den Metriken von Google Analytics und ihrer Berechnung beschäftigt hast) und wir tricksen Google Analytics mit dieser Anpassung auch nicht aus, sondern beheben vielmehr einen Fehler, den Google Analytics in der Standardeinstellung hat.

Das diese Anpassung aber wirklich funktioniert und deine Absprungrate um 70% senken und die Verweildauer verdoppeln kann, zeigt dieser Screenshots eines meiner Kundenprojekte.

Absprungrate senken Verweildauer verdoppeln

Der Google Analytics Screenshot zeigt die Daten für den Monat nach der Umstellung (blau) im Vergleich zum Monat davor (orange). Die Absprungrate ist um 70% gesunken, die Verweildauer hat sich quasi verdoppelt.

Abgesehen von einer falschen Einbindung des Tracking-Codes (die ich in diesem Artikel erklärt habe), können dich auch die im Standard erhobenen Metriken von Google Analytics in die Irre führen. Das kommt durch die Art und Weise wie Google Analytics diese Daten misst und berechnet.

Also nicht falsch verstehen: In diesem Beitrag geht es nicht darum, das Verhalten deiner Besucher zu ändern, sondern die Metriken so zu korrigieren, dass die erhobenen Werte in Google Analytics eher der Realität entsprechen.

Warum wird die Absprungrate falsch berechnet

Für Google ist jede Sitzung ein Absprung (Bounce), in der dein Besucher nur eine einzige Seite aufruft. Das bedeutet, dass auch ein Besucher als Absprung gewertet wird, der deinen Inhalt mehrere Minuten lang aufmerksam liest, aber danach keine zweite Seite mehr aufruft.

Das entspricht sicherlich nicht deiner Vorstellung eines Absprungs, oder? Damit dir diese Metrik brauchbare Informationen liefert, müsste sie anzeigen, welche Besucher nach wenigen Sekunden wieder verschwinden oder nicht einmal die ersten 25% deines Inhalts gelesen haben. Daraus könntest du dann zum Beispiel den Schluss ziehen, dass Title und Description falsche Erwartungen wecken, die dann von deinem Inhalt nicht erfüllt werden und entsprechend gegensteuern.

Warum wird die Verweildauer falsch berechnet

Bei der Verweildauer ist es so, dass Google Analytics immer einen weiteren Seitenaufruf benötigt, um die Zeit auf der Seite davor berechnen zu können. Also, dein Besucher betritt Seite A und die Zeit beginnt zu laufen. Nach vier Minuten wechselt er zu Seite B. Seite B sendet an Google Analytics, dass dein Besucher jetzt dort ist und die bislang vergangenen vier Minuten werden als Verweildauer für Seite A gespeichert.

Wenn es diesen zweiten Seitenaufruf nicht gibt, hat Google Analytics als keinen zweiten Messpunkt, um die bis dahin vergangene Zeit berechnen zu können. Das bedeutet, dass für alle Exit-Seiten, also die Seiten, auf denen dein Besucher dich wieder verläßt, immer eine Verweildauer von null Sekunden angenommen wird.

Ich bin mir sicher, dass du mit dieser fehlerhaften Berechnung der Verweildauer nicht zufrieden bist und lieber mit Werten arbeiten möchtest, die eher der Realität entsprechen, oder?

Mit diesem Trick kannst du die Fehlmessungen beheben

Die Lösung dieser beiden Probleme sind sogenannte Events. Das sind Informationen, die an Google Analytics gesendet werden, wenn dein Besucher mit deiner Seite interagiert. Dadurch entstehen zusätzliche Messpunkte, die Google Analytics für die Berechnung der Absprungrate und Verweildauer verwenden kann.

Ein beliebtes Event, das nicht nur diese Fehler behebt, sondern auch noch zusätzliche Informationen liefert ist das Scrolltiefe-Event. Es sendet seine Informationen immer dann an Google Analytics, wenn dein Besucher X% des Inhalts nach unten gescrollt hat. Ich stelle es in der Regel so ein, dass es bei 25%, 50%, 75% und 100% feuert.

Jedes gesendete Event ist gleichzeitig auch ein weiterer Messpunkt für Google Analytics. Das bedeutet, jeder Besucher, der mehr als 25% deines Inhalts konsumiert, gilt ab sofort nicht mehr als Absprung. Für die Verweildauer wird jetzt immer die Differenz vom Betreten der Seite zum letzten Event als Verweildauer gewertet. Nehmen wir an, dein Besucher braucht bis zur 75% Marke drei Minuten und steigt nach dreieinhalb Minuten bei 80% des Inhalts aus, dann speichert Google Analytics die drei Minuten bis zum letzten Event als Verweildauer. Dir gehen also immer noch ein paar Sekunden verloren, aber du bist schon sehr viel näher an der Realität.

Diese Events müssen immer manuell eingerichtet werden und können nicht einfach über eine Option in der Verwaltung von Google Analytics angeschaltet werden. Mit dem Google Tag Manager ist die Umsetzung aber auch für Laien relativ leicht. Ich habe dir eine komplett fertige Konfiguration für den Tag Manager und ein kurzes Schritt-für-Schritt-Video erstellt, mit dem du den Tag Manager in wenigen Minuten auf deiner WordPress Seite einbindest und zukünftig korrekte Metriken erhältst. Melde dich einfach über diesen Button für meinen Newsletter an und ich sende dir die Konfiguration und das Video zu.

Ja, schick mir die Anleitung

Ergibt die Anpassung für dich Sinn?

Bevor du die Events jetzt blind einbaust, frage dich, ob die korrigierten Werte so für dich Sinn ergeben. Wenn du zum Beispiele eher kurze Seiten hast (zum Beispiel Artikelseiten in Onlineshops), kann es passieren, dass schon beim Aufruf automatisch die 25% Marke erreicht wird. Das bedeutet, deine Absprungrate sinkt für alle Seiten auf 0% und liefert dir keine hilfreichen Daten mehr. In den meisten Fällen wird dir diese Anpassung bessere Daten für deine Webanalyse liefern. Aber hinterfrage auf jeden Fall, ob das auch für deinen Inhalte so ist und ob dir dieser kleine Trick bei der Analyse deiner Daten wirklich hilft.

Den Tag Manager richtig konfigurieren

Wenn du den Google Tag Manager wie im Video beschrieben eingebunden hast, aber keine oder falsche Daten in deinem Google Analytics Konto landen, kann ich dir gerne weiterhelfen. Melde dich einfach über das Kontaktformular. Neben dieser falschen Metriken kannst du bei der Einrichtung von Google Analytics auch noch einige andere Fehler machen – rechtlich und technisch gibt es einiges zu beachten. Schau dir mal mein Google Analytics Setup Paket an, vielleicht ist das ja genau das Richtige für dich.