Bei meinen letzten Seminaren bin ich auf ein Problem gestoßen, dass mir bislang gar nicht bewusst war. Viele Webseitenbetreiber binden den Google Analytics Code offenbar aus Versehen doppelt ein, was zu völlig falschen Daten führt. Wie sich das genau auswirkt, erkläre ich etwas weiter unten im Artikel.

Das Problem entsteht dadurch, dass immer mehr WordPress Themes und Plugins Möglichkeiten anbieten, die Tracking-ID von Google (die Zahl mit dem UA- davor) über den Adminbereich einzutragen und dann auf der Seite auszugeben. Wenn du jetzt deinen Analytics Code sowohl im Theme, als auch in einem oder mehreren Plugins einträgst, wird er mehrfach auf der Seite ausgespielt und verfälscht dir deine Daten.

Wie funktioniert der Google Analytics Code

Zum Verständnis ist es vielleicht ganz sinnvoll, wenn du die Funktionsweise des Google Analytics Codes verstehst. Es ist im Grunde auch nicht wirklich kompliziert. Jedes Mal, wenn ein Besucher deine Seite aufruft, wird im Hintergrund auch der kleine Codeschnipsel von Google geladen. Dieser sendet dann die Information an Google, dass gerade ein Besucher die Seite XY aufgerufen hat. Wenn du den Code jetzt versehentlich doppelt eingebunden hast, wird diese Information zweimal direkt hintereinander an Google gesendet. Das führt in deinen Auswertungen zu folgenden Fehlern.

Diese Daten deuten auf die doppelte Einbindung hin

Einen mehrfach eingebundenen Google Analytics Code kannst du recht einfach an diesen drei Datenkonstellationen erkennen.

Absprungrate ist sehr klein oder sogar Null

Für Google ist ein Absprung der Aufruf einer deiner Seiten, ohne eine weitere Aktion auf dieser Seite auszuführen oder eine weitere Seite aufzurufen. Dadurch das der Analytics Code bei jedem Aufruf direkt ein zweites Mal aufgerufen wird, gibt es also aus der Sicht von Google keine Absprünge mehr und die Absprungrate geht gegen Null.

Falsche Absprungrate Google Analytics

Die Absprungrate eines Projekts aus dem Seminar mit und ohne doppeltem Analytics Code. Nachdem ich den Fehler beseitigt hatte, stieg die Absprungrate wieder auf den richtigen Wert an.

Die Verweildauer deiner Besucher ist sehr kurz

Die Verweildauer ist für Google die Zeit, die zwischen zwei Seitenaufrufen vergeht. Google startet also mit der Zeitmessung, wenn dein Besucher die erste Seite aufruft und beendet sie (im Standard), wenn die nächste Seite aufgerufen wird. Bei der doppelten Einbindung wird die erste Seite also immer nur 0 Sekunden aufgerufen, da der nächste Seitenaufruf durch den doppelten Analytics Code sofort im Anschluss an Google gesendet wird.

Falsche Verweildauer Google Analytics

Durch das Entfernen des doppelten Analytics Codes steigt die Verweildauer wieder um den Faktor drei.

Etwa doppelt so viele Seitenaufrufe wie einzelne Seitenaufrufe

Unter „Verhalten“ -> „Übersicht“ findest du in Google Analytics die beiden Metriken „Seitenaufrufe“ und „Einzelne Seitenaufrufe“. Wenn sich ein Besucher in der selben Sitzung eine Seite mehrfach ansieht, dann erhöht Google den Wert unter „Einzelne Seitenaufrufe“ trotzdem nur um den Wert Eins. Unter „Seitenaufrufe“ werden aber alle Aufrufe gezählt. Ist der Analytics Code doppelt eingebunden, führt das dazu, dass es automatisch pro einzelnen Seitenaufruf immer mindestens zwei Seitenaufrufe gibt.

Falsche Seitenaufrufe Google Analytics

Klar zu erkennen: Vor dem Entfernen des zweiten Analytics Codes ist das Verhältnis von Seitenaufrufen und einzelnen Seitenaufrufen etwa zwei zu eins.

Prüfen, ob du den Google Analytics Code doppelt eingebunden hast

Google Tag Assistant

Mit dem Google Tag Assistant findest du schnell heraus, ob du Analytics doppelt eingebunden hast.

Die gerade aufgezeigten Besonderheiten in deinen Google Analytics Daten geben dir schon einen recht eindeutigen Hinweis darauf, dass bei dir der Code doppelt eingebunden ist. Um wirklich sicher zu gehen, kannst du das mit diesen beiden Methoden aber auch ziemlich einfach herausfinden.

Google Tag Assistant

Am einfachsten geht es mit der kostenlosen Erweiterung Tag Assistant für den Chrome Browser. Bei fehlerhafter Einbindung erscheint das Icon direkt in leuchtendem Orange in der Toolbar und gibt entsprechende Optimierungstipps.

Quelltext deines Browsers

Ohne extra Hilfsmittel geht es auch über die Anzeige des Quelltextes in deinem Browser. Im Chrome erreicht man diese z.B. unter „Anzeigen“ -> „Entwickler“ -> „Quelltext anzeigen“. Falls du einen anderen Browser benutzt findest du dort unter ähnlicher Bezeichnung diese Funktion. Dann einfach den gesamten Quelltext nach deiner Tracking ID (UA-Code) durchsuchen.

Den doppelten Google Analytics Code finden

Dieser Schritt ist leider sehr individuell und erfordert etwas Recherche-Arbeit. Wie eingangs schon erwähnt, werden die meisten Analytics Codes doppelt eingebunden durch Themes und Plugins, bei denen man die Tracking-ID eintragen kann. In manchen Fällen gibt der Quelltext im Browser einen Hinweis darauf, welches Plugin den Code einbindet. Falls nicht, musst du die Einstellungen deiner Plugins im Admin-Bereich durchschauen und prüfen, ob du an mehreren Stellen die Tracking-ID eingegeben hast.

Hier findest du ein paar gängige Plugins, bei denen du die Tracking-ID hinterlegen kannst. Wenn du weitere kennst, schreibe sie gerne in die Kommentare. Ich werde die Liste dann ergänzen.

  • Google Analytics by MonsterInsights
  • Google Analytics by WebKinder
  • eRecht24 Rechtstexte

Analytics richtig einrichten

Wenn du den Fehler nicht findest, kann ich dir gerne weiterhelfen – melde dich einfach über das Kontaktformular. Aber nicht nur bei diesem konkreten Problem. Neben einer doppelt eingebundenen Tracking-ID kannst du bei der Einrichtung von Google Analytics noch einige andere Fehler machen – rechtlich und technisch gibt es einiges zu beachten. Schau dir mal mein Google Analytics Setup Paket an, vielleicht ist das ja genau das Richtige für dich.